Was bedeutet zuckerfrei eigentlich? Low Carb – Ja oder Nein?

 

Low Carb Hintergrundfakten: Das mit der Bezeichnung “zuckerfrei” ist so eine Sache

Nimmt man es ganz genau, würde aus Sicht der Ernährungslehre “zuckerfrei” nicht nur low carb sonder grundsätzlich frei von allen Zuckern bedeuten. Zucker ist nämlich nicht gleich Zucker. Es gibt Einfach-, Zweifach- oder auch Mehrfachzucker welche in unserer Ernährung zu finden sind, eigentlich als Kohlenhydrate bekannt sind und in unserem Körper in Energie verwandelt werden. Als Einfachzucker können beispielsweise Glukose oder Fruktose bezeichnet werden, die in natürlicher Form in Obst und auch Gemüse sowie in den von mir bevorzugten natürlichen Süßungsmitteln vorkommen. Zweifachzucker wie Laktose konsumieren wir durch Milchprodukte. Als Mehrfachzucker können schließlich Ballaststoffe, stärkehaltige Kohlenhydrate wie Süßkartoffeln oder auch Pseudogetreide wie Quinoa sowie Hülsenfrüchte bezeichnet werden. Können wir die zur Verfügung gestellte Energie durch den Konsum verschiedener Zucker nicht komplett verwerten, wird der Rest in unseren Muskeln, in der Leber und auch als Fett eingelagert. Eine Ernährungsweise die sich zu einem großen Anteil auf Kohlenhydrate konzentriert und ein Lebensstil welcher wenig Energie erfordert – sprich wenig Bewegung involviert – kann also durchaus zur Gewichtszunahme führen. Logisch irgendwie.

Konsumieren wir Kohlenhydrate hat dies auch die Erhöhung des Blutzuckerspiegels zur Folge. In wie weit und mit welcher Geschwindigkeit dieser erhöht wird hängt von der Art der Kohlenhydrate ab. Komplexe Kohlenhydrate wie Süßkartoffeln oder auch Hirse sowie Wildreis bspw. wirken sich milde auf den Blutzuckerspiegel aus und geben langanhaltende Energie. Energie die wir brauchen – nicht nur um uns zu bewegen, sondern ebenso um einfach nur zu funktionieren. Einfache Kohlenhydrate wie beispielsweise Obst sowie leere Kohlenhydrate wie Süßigkeiten und Gebäck – welche meist durch diverse industrielle Prozesse von ihren Nährstoffen befreit wurden – lassen den Blutzucker schnell ansteigen und werden ebenso schnell verdaut. Ein konstant hoher Blutzuckerspiegel durch Softdrinks, Weißmehlprodukte und Co kann auf Dauer zu Übergewicht und Diabetes führen. Diese Erkrankung sowie weitere Volkskrankheiten vermehren sich laufend – kein Wunder, wenn man mal genau hinterfragt was wir so täglich konsumieren. Mit Natürlichkeit hat das jedenfalls nichts mehr zu tun. Es lohnt sich also im Sinne der eigenen Gesundheit auch mal ein paar komplexe Alternativen einzubauen. Während einfache Kohlenhydrate in bestimmten Situationen – wie beispielsweise für Sportler – durchaus Sinn machen können um schnell an Energie zu kommen, kann man auf leere und somit auch nährstoffarme Kohlenhydrate getrost verzichten. Zumal diese oft voller Fruchtzucker stecken. Und von dem bin ich ja so oder so nicht überzeugt – außer vielleicht in seiner natürlichen Form – aber selbst dann nur in Maßen.

Mein Ernährungsstil und –ansatz ist ausgewogen mit UNTER ANDEREM Kohlenhydraten die ihrer natürlichen Form so nah wie möglich sind, die Energie liefern die individuell gerade benötigt wird und den Blutzuckerspiegel möglichst stabil halten. Auf die Qualität und Menge kommt es an! Zuckerfrei bedeutet hier also nicht frei von Kohlenhydraten. Ganz im Gegenteil. Zuckerfrei bedeutet hier vielmehr eine natürliche Ernährungsweise mit vielen frischen Lebensmitteln, bunten Pflanzen und ohne Zusatzstoffe und künstlich hinzugefügte Zucker in unseren Lebensmitteln.

Diverse Diät Bewegung wie die Atkins oder auch Ketogen Diät konzentrieren sich auf die Elimination von Kohlenhydraten (<100g/Tag) – vorwiegend um abzunehmen. Andere Ernährungsweisen – vor allem in der veganen und veggie Szene – wiederum fördern den Konsum einer Vielzahl an Kohlenhydraten (200-350g/Tag) – meist involviert dies auch sehr viel Zucker in Form von rohen Desserts. 

Warum aber nicht einfach einen angenehmen Mittelweg finden?

Anzumerken ist natürlich, dass jeder von uns unterschiedlich ist. Benötigt man viel Energie, benötigt man auch mehr Kohlenhydrate. Klar. Das erklärt zum Beispiel warum ich persönlich in stressigen Zeiten, an bitterkalten Tagen (unser Körper braucht Energie um uns warm zu halten) oder an Tagen an welchen ich mehr Sport treibe und/oder sehr viel arbeite auch das Verlangen nach mehr Kohlenhydraten habe. Ich empfehle also auf den eigenen Körper zu hören und die für sich wohltuende Menge an qualitativ hochwertigen Kohlenhydraten zu finden und auszutesten.

Kohlenhydrate sind wichtig. Die Nachteile einer Low Carb Ernährung.

Ganz nebenbei bemerkt, kann eine Low Carb Ernährungsweise unsere Schilddrüsenhormone total aus der Bahn werfen. Und die sind wichtig für unser Funktionieren und unseren kompletten Metabolismus. Führen wir unserem Körper dauerhaft zu wenig Kohlenhydrate zu, stößt dieser außerdem das Stresshormon Cortisol aus und holt sich Glukose aus den Energiereserven Leber und Muskulatur. Bleibt ihm auch nichts Anderes über. Unser Körper tut alles um zu überleben – da pfeift er auf die Muskulatur. Letztere wird übrigens auch abgebaut, wenn wir exzessiv Sport treiben und unserem Körper nicht ausreichend Energie in Form von Kohlenhydraten zuführen. Der Stress der durch eine Low Carb Ernährung ausgelöst wird, kann außerdem auf den Hormonhaushalt der Frau wirken und die Produktion der Sexualhormone einstellen. Die in Kohlenhydraten wie Süßkartoffeln vorkommenden Präbiotika sind außerdem essentiell für die Gesundheit unseres Darms und liefern das Futter für die guten Bakterien die wir durch Wasserkefir und Co hinzufügen. Auch wenn die ein oder andere Brigitte Diät sagt “Am Abend sollen keine Kohlenhydrate auf den Tisch”, kann genau das vor allem für den Schlaf besonders wichtig sein.

Ein paar Süßkartoffeln oder ein bisschen Quinoa zum Abendessen oder auch ein TL Honig vor dem zu Bett gehen können die Schlafqualität gewaltig verbessern.

Nicht alles ist schwarz oder weiß. Die Vorteile einer Low Carb Ernährungsweise.

Der Vollständigkeit halber muss ich allerdings erwähnen, dass eine kohlenhydratarme Ernährungsweise vorübergehend und im Sinne der Verbesserung von diversen Erkrankungen von Vorteil sein kann. Diese Aussage alleine sollte zeigen wie wichtig die Individualität in der Ernährungsweise von uns allen ist und dass es wohl kaum eine Diät gibt die für uns alle maßgeschneidert ist. Jeder von uns ist unterschiedlich. Umso wichtiger ist es aufmerksam zu sein und auf den eigenen Körper und dessen Bedürfnisse zu hören. Die angesprochenen Krankheitsbilder bei welchen eine kohlenhydratarme Ernährungsweise von Vorteil sein kann sind übrigens neurologischer Natur wie beispielsweise Alzheimer, Epilepsie oder auch hormonellen Ursprungs wie beispielsweise PCOS (Polyzystisches Ovarialsyndrom) oder auch bei Fettleibigkeit, Übergewicht und Diabetes kann eine kohlenhydratarme Ernährung Vorteile und Verbesserung mit sich bringen. Vor allem liegt auch hier der Fokus auf der Elimination von in erster Linie leeren Kohlenhydraten (Soft Drinks, Süßigkeiten, Gebäck, Pasta etc.), der damit einhergehenden Verbesserung der allgemeinen Ernährungsweise und der simplen Einschränkung von komplexen Kohlenhydraten.

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