Warum wir alle auf die Zufuhr von Kollagen achten sollten

Wenn du an ein gesundes Superfood denkst … was fällt dir zuerst ein? Ich wette nicht unbedingt Kollagen, oder?

Sind unsere Eltern oder Großeltern gut gealtert und haben ein langes Leben geführt, dann hatten sie mit ziemlicher Sicherheit gutes und starkes Kollagen. Das heißt nicht, dass das bei uns auch so sein muss.

Kollagen erklärt

Kollagene gehören zu jenen Proteinen, welche der Haut ihre Beweglichkeit und Dehnbarkeit verleihen. Kollagen kommt aber nicht nur in und vor allem unter unserer Haut vor. Auch unsere Organe, Knochen, unser Gehirn sowie unsere Lungen, Muskeln und Sehnen sind davon umgeben. 15 Prozent unseres Trockengewichts (Herkömmliches Gewicht minus dem Wasser in unserem Körper, das immerhin 60% einnimmt) ist Kollagen. Ohne es würden wir mehr oder weniger auseinanderfallen und in lauter kleine Zellen zerbröseln. Die Forschung sagt, dass Menschen mit schwachen Kollagenspeichern auch viel verletzungsanfälliger sind. Kein Wunder also, dass Faszientrainings in der Fitnessbranche so irre beliebt sind. Faszien sind schließlich nichts Anderes als Kollagen, Wasser und ein paar Klebstoffe. Und ja, sich mit den Faszien, sprich unserem Bindegewebe zu beschäftigen, ist sinnvoll und geht über die banale „Behandlung“ von Cellulite hinaus.

Schon mal so stark verletzt, dass man genäht werden musste? Ja? Dann weiß man, dass es eine richtige Weile dauern kann, bis die Wunde verheilt ist. Wird neues Kollagen in einer Wunde geformt, besteht es erst aus kurzen und weniger gut organsierten Strängen als das Original. Nach 6 Wochen sind die Kollegenbündel schon besser organisiert und länger, haben aber immer noch erst 70 Prozent ihrer ursprünglichen Stärke. Nach einem Jahr ist die Kraft der Haut aber wieder vergleichbar mit dem Original vor der Wunde. Je länger Kollagenketten sind, desto mehr Kraft liefern sie dem Gewebe in dem sie enthalten sind.

Kollagen und Ernährung

Der Zustand unserer Kollagenspeicher – sprich, deren Qualität, ist stark von unserer Ernährung abhängig. Ernähren wir uns schlecht, während solch einer Heilungsphase, ist die Kollagenproduktion eingeschränkt und die Integrität des Endprodukts eher suboptimal. Kollagen hält uns schließlich zusammen. Wie beim Hausbau möchte man hier schließlich auch Top Qualität damit einem das Dach im Idealfall nicht auf den Kopf fällt. Mit Kollagen schlechter Qualität bauen wir also schneller ab. Und genau dann kommt es zu Faltenbildung, Arthritis und sogar Kreislaufproblemen.

Die Qualität unseres Kollagens wird nicht notwendigerweise vererbt. Kollagen wird aus Rohmaterialien hergestellt, die wir über die Ernährung zuführen müssen. Und Kollagen ist etwas empfindlich. Lebensmittel die Entzündungsherde in unserem Körper fördern, schädigen der Kollagenproduktion.

Zucker gehört hierzu – das wirkt wie ein Schleifmittel für unsere Gelenke und macht unsere Faszien brüchig. Auch Pflanzenöle – wie im letzten Secret Blog Beitrag erläutert – können Entzündungsherde im Körper fördern. Essen wir hingegen Innereien und trinken Knochenbrühe, wird unser Körper mit Kollagen versorgt, das dann genau dort verwendet wird wo Kollagen am dringendsten gebraucht wird.

Kollagenreiches Essen vor allem schon in der Kindheit zu konsumieren, hat einen wahrlich nachhaltigen Effekt der ein Leben lang halten kann. Alles in allem lässt sich feststellen, dass Menschen mit einer kollagenreichen Ernährungsweise (ob von Anfang an oder nicht) schönere Haut und besser (funktionell gesehen) gebaute Körper haben. Vor allem in Zeiten von Verletzungen und starker körperlicher Belastung sollte Kollagen in der Ernährung nie fehlen. Der Heilungsprozess kann dadurch wesentlich beschleunigt werden – das zeigen sogar Studien.

Gelatine oder Kollagen?

Gelatine ist das Folgeprodukt von Kollagen. Kocht man Kollagen lange genug – bestes Beispiel ist hier Knochenbrühe – wird es zu Gelatine. Und das macht so manche Hühner- oder Rindssuppe so richtig Pudding like. Die langen Proteinbündel werden während dieses Prozesses in kleine Aminosäureverbindungen verwandelt. Alles in allem, sind sich Gelatine und Kollagen aber in ihrer chemischen Struktur sehr ähnlich.

What? Ich soll mehr Fleisch essen?

Eier und auch Muskelfleisch – im Gegensatz zu Innereien und jenen Fleischstücken die nahe am Knochen liegen – liefern vor allem sehr viel der Aminosäure Methionin. Zu viel dieser Aminosäure kann dazu führen, dass sich viel der Aminosäure Homocystein im Blut ansammelt. Und hohe Level an Homocystein werden mit Alzheimer oder auch Herzerkrankungen in Verbindung gebracht. DAS (unter anderem) kann der Ursprung hinter der allseits bekannten Ratschläge sein: Iss bloß kein Fleisch, das führt zu Herzinfarkt. Was aber dabei hilft diese Level in Balance zu behalten ist Glycin. Und davon ist in Gelatine / Kollagen jede Menge enthalten. Und es muss dem Körper beigefügt werden, auch wenn er kleine Mengen selber machen kann. Aber eben nur kleine Mengen. Alles in allem, ist das für mich wieder Grund genug um einen Blick zu unseren Ursprüngen zu werfen. Unsere Vorfahren haben viel eher Innereien und Eintöpfe zubereitet als sich ein Steak auf den Grill zu schmeißen.

So, alles in allem sorgt Kollagen bzw. Gelatine nicht nur für gesunde Knochen und Gelenke, es tut auch unserem Herz-Kreislauf System, unserer Haut und unseren Muskeln gut. Auch ist es im Übrigen eine Wohltat für unseren Darm – vor allem für unsere Darmschleimhaut – und dank der Aminosäure Glycin hilft es sogar unserem Schlaf.

Was genau essen?

Hühnersuppe, Rindssuppe, Innereien, Fleisch direkt am Knochen, Fleisch mit Haut (bspw. Huhn), Suppenfleisch, Kollagen oder Gelatine als Supplement;

Gibt es Alternativen für Veganer und Vegetarier?

No. Sorry. Dies nur am Rande. Studien zeigen, dass vor allem Veganer aber auch Vegetarier oftmals sehr hohe Homocystein Werte haben. Das hat wohl mit einem möglichen Mangel an Cholin und B12 zu tun. Und die helfen Homocystein in Zaum zu halten. Als Veganer oder Vegetarier, würde ich persönlich in Erwägung ziehen mit Kollagen zu supplementieren. Vor allem wenn Muskel-, oder Gelenksprobleme sowie Verletzungen vorliegen.

Mama´s aufgepasst!

Als Pilates und Yoga Lehrerin und als Mama möchte ich folgendes hinzufügen: Gerade Schwangere und junge Mamas sowie all jene in der postnatalen Phase sollten Kollagen nicht unterschätzen. Als Schwangere könnte man mit genügend Kollagen in der Ernährungsweise Dehnungsstreifen vorbeugen. Als junge Mama diverse Heilungsprozesse wie Geburtsverletzungen unterstützen und VOR ALLEM in der postnatalen Zeit auch Beckenbodenschwächen vorbeugen und diesen entgegenwirken.

Studien u.a.:

academic.oup.com/ajcn/article/89/5/1693S/4596963
www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18852529
www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0308814609000387
www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0928468000000456
www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2898551/
www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28375879
www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11071580
www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2762560/
www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20093739
www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1215839/
www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK21582/